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Der ukrainische Energiemarkt

Investitionspotenzial im Energiesektor im Jahr 2025

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Im vergangenen Jahr hat die Ukraine die Energiestrategie bis 2050, den nationalen Energie- und Klimaplan bis 2030 sowie die Strategie zur Entwicklung dezentraler Energieerzeugung bis 2035 verabschiedet. Damit wurde ein wichtiger Grundstein für die Dekarbonisierung und nachhaltige Entwicklung des Energiesektors gelegt. 

Geschätzter Bedarf an Stromerzeugung 

Bis 2030 wird der Bedarf der Ukraine an neuen Stromerzeugungskapazitäten auf 10,5 bis 14,6 GW geschätzt. Dieser Bedarf soll durch den Ausbau und die Inbetriebnahme neuer Solar- und Windparks, steuerbarer dezentraler Stromerzeugungsanlagen und Energiespeichersysteme gedeckt werden, wofür Investitionen in Höhe von 13,6 bis 18,8 Mrd. EUR erforderlich sind. 

Dezentrale Stromerzeugungsanlagen 

Bis 2027 wird der Gesamtbedarf an dezentraler Stromerzeugung in der Ukraine auf bis zu 4 GW geschätzt. Die Nachfrage wird hauptsächlich von lokalen Regierungen und einzelnen Unternehmen getragen, die diese Anlagen als Reserveenergiequellen für kritische Infrastrukturen oder Produktionsanlagen nutzen. Die Ausschreibung des Übertragungsnetzbetreibers NPC Ukrenergo für den Bau von 1400 MW gesicherter Sekundärregelreserve stellt eine attraktive Möglichkeit für Investoren dar.  Dies fördert die Umsetzung kommerzieller Speicherprojekte sowie schlüsselfertiger EE-Speicherprojekte für Unternehmen und Kommunen, die weiterhin Strom speichern und Dienstleistungen für den Regelenergiemarkt anbieten wollen.    

Windstromerzeugung 

Bis 2030 wird der Bedarf an neuen Windkraftkapazitäten auf etwa 5 GW geschätzt. Anfang 2025 wurden mehrere große Windparkprojekte in der Ukraine in Angriff genommen (DTEK mit 450 MW, ECO-OPTIMA mit 40 MW, Wind Parks of Ukraine mit 80 MW). Elementum Energy hat auch den ersten kommerziellen Differenzvertrag über 100 MW Windenergie in der Ukraine direkt mit einem Verbraucher unterzeichnet.   

Solarstromerzeugung 

Bis 2030 wird der Bedarf an neuen Solarstromkapazitäten auf etwa 3 GW geschätzt. Die meisten Projekte werden schlüsselfertig für den Bedarf von kleinen und mittleren Unternehmen und Haushalten realisiert, häufig in Kombination mit Energiespeichersystemen. Die Planung und Umsetzung kleiner Solarkraftwerke wird in den kommenden Jahren der vielversprechendste Bereich der Solarenergieentwicklung sein. 

Biomethan 

Anfang Februar 2025 begann die Ukraine mit dem Export von Biomethan in die EU. Dies eröffnet ein neues vielversprechendes Gebiet für Investoren, die mehr als 80 bestehende Biogasanlagen umrüsten und neue Biomethananlagen in der Ukraine errichten könnten. Aufgrund der großen Rohstoffreserven und eines umfassenden Gasfernleitungsnetzes wird das Exportpotenzial für Biomethan bis 2030 auf mehr als 1 Milliarde Kubikmeter geschätzt.  

Wasserkraft 

Das staatliche Unternehmen Ukrhydroenergo plant eine umfassende Sanierung und Entwicklung der Wasserkraftkapazitäten in der Ukraine, einschließlich der Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke und des Baus neuer, kleinerer Anlagen mit geringer Umweltbelastung. 

Vorhandene Anreize und Förderprogramme 

Die Ukraine führt moderne Anreize und Förderprogramme für Investitionen in neue Stromerzeugungsprojekte ein. Im Jahr 2025 werden „grüne“ Ausschreibungen für erneuerbare Energiequellen durchgeführt, bei denen das Instrument der Marktprämie als Anreiz für Investoren eingesetzt wird. Ein inländischer Markt für den Verkauf von Herkunftsnachweisen für erneuerbaren Strom wurde eingeführt und die Vorbereitungen für die Integration dieses Marktes in europäische Register laufen. Mit Unterstützung internationaler Partner hat die Ukraine vergünstigte Kreditprogramme für Unternehmen und Haushalte eingeführt, um deren Widerstandsfähigkeit im Energiesektor zu stärken.  

Investoren in erneuerbare Energien haben zudem die Möglichkeit, direkte Handelsverträge mit Verbrauchern zu einem festen Preis über einen längeren Zeitraum abzuschließen oder den erzeugten Strom auf dem freien Markt zu verkaufen. Zu den neuen Geschäftsfeldern gehören auch Erneuerbare-Energien-Projekte für aktive Verbraucher und integrierte Energieprojekte für lokale Gemeinschaften.  

Mittelfristig ist mit einer Liberalisierung des Energiemarktes und der Privatisierung staatlicher Energieunternehmen in den Bereichen Erzeugung, Übertragung und Verteilung zu rechnen. 

 

Die Grundlage der finanziellen Stabilität der Ukraine ist die Unterstützung durch EU, die USA, die G7-Mitglieder und andere Partnern in Form von Krediten und Zuschüssen. Ein wesentlicher Teil von diesen Finanzmitteln ist auf die Unterstützung des Energiesektors, eines der Hauptziele von russischen Angriffen seit 2022, gerichtet.   

 

Um die Investitionen in die Ukraine zu fördern, hat die EU eine Sonderinitiative - Ukraine Investment Framework, eingeführt, innerhalb derer Kreditgarantien in Höhe von 7,8 Milliarden Euro bereitgestellt werden, um die Risiken vor allem internationaler Finanzinstitute und Entwicklungsfinanzierungsorganisationen zu reduzieren. Weitere 1,5 Milliarden Euro sind als Mischfinanzierung vorgesehen, darunter auch Zuschüsse zur Entlastung der Kreditnehmer. 

 

Sowohl internationale Finanzinstitutionen als auch ukrainische Banken können verschiedene Unterstützungsprogramme kombinieren, um Kreditmittel einem möglichst breiten Kreis von Kreditnehmern zugänglich zu machen. 

 

Internationale Finanzinstitutionen stellen die größten Mittelbeträge zur direkten und indirekten Unterstützung von Energieprojekten in der Ukraine zur Verfügung. EBRD, EIB, KfW und die Internationale Finanz-Corporation unterstützen Projekte im Wert von über 10 Millionen US-Dollar, in der Regel große ausländische und inländische Unternehmen, und sind gleichzeitig eine Quelle finanzieller Ressourcen für Kreditprogramme staatlicher und privater Banken in der Ukraine. 

 

Entwicklungsfinanzierungsorganisationen (Swedfund, Norfund, IFU, Proparco, BII, JBIC) gelten als Partner für ausländische und ukrainische Mittelunternehmen und sind bereit, Darlehen für die Projekte von 3 bis 10 Millionen US-Dollar zu vergeben sowie Kreditprogramme ukrainischer Banken zu unterstützen. 

 

Staatliche und einige private Banken der Ukraine vergeben Kredite von bis zu 3 Millionen US-Dollar hauptsächlich an mittlere und kleine Unternehmen mit preisgünstigen Zinsen unter dem Marktniveau dank staatlicher Förderprogramme des Unternehmerentwicklungsfonds, die teilweise auch durch internationale Finanzhilfe finanziert ist. 

 

Um Geschäftstätigkeit in der Ukraine zu unterstützen, wurde ein Programm zur Vergütung der produzierten in der Ukraine Energieausstattung in der Zusammenarbeit mit den beauftragten Banken entwickelt. Weiterhin wird auch ein spezielles Investmentportal eingerichtet, der ermöglicht, die Projekte für die Bekanntmachung von internationalen Finanzinstitutionen anzubieten. Auch im Jahr 2025 wird Einführung eines speziellen Tools erwartet, das private Unternehmen, Versorgungsunternehmen und Gemeinschaften bei der Vorbereitung von Projekten unterstützt und ihre Chancen auf Kreditvergabe bei inländischen Banken erhöht. 

 

Weitere Informationen über verschiedene Möglichkeiten, die Finanzunterstützung für Energieprojekte zu bekommen, kann man aus dem beigefügten Handbuch und der Präsentation erhalten. 

Biomethan in der Ukraine – Perspektive auf dem Inlandsmarkt und Export 

Kurzfassung 

Attraktive Preise, ein hoher Bedarf in der EU und klare politische Signale im Zuge des EU-Beitritts schaffen jetzt ein Investitionsfenster für Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die starke ukrainische Agrarindustrie fungiert dabei zugleich als Rohstofflieferant, Projektpartner, Anlagenbetreiber und Abnehmer – und öffnet damit vielfältige Geschäftsmodelle von Techniklieferung bis Eigeninvestition. Auf dem Inlandsmarkt sind Transportsektor und Industrie in nächsten Jahren als potenzielle Abnehmer in Zuge der Dekarbonisierung zu betrachten.  

 

Mit EU-kompatiblen Zertifizierungs- und Qualitätsstandards, ersten exportierenden Anlagen und einem enormen technischen Potenzial von bis zu 21,8 Mrd. m³ Biomethan pro Jahr ist der Markthochlauf bereits im Gange. Besonders für deutsche Unternehmen ergeben sich konkrete Chancen: als Ausrüster, Dienstleister, Projektentwickler, Joint-Venture-Partner oder Abnehmer von Biomethan und Bio-LNG.  

 

Es gibt genügend Rohstoffe für die Biomethanherstellung aus Agrarresten und organischen Abfällen. Das gesamte Potenzial ist von bis zu 1 Mrd. m³ im Jahr 2030 und bis zu 21,8 Mrd.m³ im Jahr 2050 eingeschätzt.  

Markttreibende Kräfte 

Attraktive Biomethanpreise und ein hoher Bedarf in der EU fördern private Investitionen in neue Biomethananlagen in der Ukraine. Zu den aktivsten Akteuren gehören ukrainische Agrarunternehmen, die dadurch neue Märkte für sich erschließen und ihre landwirtschaftlichen Geschäftsbereiche diversifizieren.  

 

Die mächtige Agrarindustrie der Ukraine kann gleichzeitig ein anspruchsvoller Partner, Besteller von schlüsselfertigen Biomethan-Anlagen und Abnehmer sein.  Lokal produziertes Biomethan kann als Brennstoff eingesetzt werden, um Erdgas zu ersetzen, beispielsweise für Heizung, Trocknung (z. B. von Getreide), Prozesswärme oder in Blockheizkraftwerken zur Strom- und Wärmeproduktion. Darüber hinaus kann es als Bio-CNG oder Bio-LNG für landwirtschaftliche Fahrzeuge oder Fuhrparks verwendet werden.  

 

Die erwartete Ablösung der Exportzölle für Großbritannien und die Schweiz durch eine Gesetzesänderung ist ein weiterer Anreiz für Investitionen in ukrainische Biomethananlagen.  

 

Die Dekarbonisierungsverpflichtungen der Ukraine im Rahmen des EU-Beitritts sind ein Versprechen für die Entwicklung des Inlandsmarktes, auf dem der Transportsektor mit 1,7 Mrd. m³ und industrielle Prozesse mit 3 bis 4 Mrd. m³ pro Jahr als potenzielle Abnehmer von Biomethan gesehen werden.   

Zertifizierungsverfahren 

Die Ukraine hat ein digitales Biomethan-Register entwickelt, das an die EU-Anforderungen angepasst ist. Es bildet die Grundlage für Herkunftsnachweise und wird später mit der EU-Union Database gekoppelt.  

 

Zudem hat die Ukraine einen nationalen Standard für die Einspeisung von Biomethan in Gasnetze eingeführt, der auf dem EU-Standard EN 16723-1 basiert. Dadurch wird sichergestellt, dass die Gasqualität auch für EU-Netze kompatibel und zertifizierbar ist. 

 

Bis zur vollständigen Integration mit dem EU-Union Database nutzen ukrainische Produzenten international anerkannte freiwillige Nachhaltigkeitszertifikate, die auch in der EU akzeptiert werden (z. B. ISCC EU). 

Aktuelles Produktionsniveau 

In der Ukraine sind derzeit bereits fünf Biomethananlagen mit einer Gesamtkapazität von 52 Mio. m³/Jahr in Betrieb. Eine weitere Biomethananlage soll am Anfang 2026 in Betrieb gesetzt werden, sodass die Gesamterzeugung bis zu 108 Mio. m³ pro Jahr erreichen kann. 

 

Die Anlagen produzieren Biomethan zum Einpumpen ins Gasrohrnetz und zur Verflüssigung. Das gesamte Volumen wird dementsprechend per Pipeline und LKW in Form von Bio-LNG nach Europa exportiert. Die Exportpreise für ukrainisches Biomethan werden in der EU auf bis zu ~750-800 €/1000 m³ mit Produktionskosten circa 650 €/1000 m³ geschätzt. In Deutschland liegen die Preise für Biomethan derzeit je nach Nachhaltigkeitsniveau zwischen 770 und 1.290 €/1.000 m³. 

Mittelfristige Prognosen 

Die vorhandene, sehr breite und günstige Rohstoffbasis, Anschlussmöglichkeiten an Gasverteilungs- und Gasübertragungsnetze in mehreren Regionen sowie die Möglichkeit zum Export in die EU ermöglichen die Umsetzung weiterer Biomethanprojekte. Dazu sind zum Teil auch die existierenden 80 Biogasanlagen geeignet, die eine begrenzte Modernisierung benötigen und relativ schnell mit der Biomethanerzeugung beginnen können.   

 

Das technische Potenzial ist auf ca. 21,8 Mrd. m³/Jahr biomethanfähiges Gas in der Ukraine eingeschätzt, wenn alle vorhandenen Rohstoffe mobilisiert werden. Dazu gehören: 

 

Biomethan aus Ernterückständen - 5,21 Mrd. m³/Jahr 

 

Biomethan aus Gülle und Mist - 0,88 Mrd. m³/Jahr 

 

Biomethan aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie - 0,78 Mrd. m³/Jahr 

 

Biomethan aus festen Siedlungsabfällen und Kläranlagen - 0,55 Mrd. m³/Jahr 

 

Biomethan aus Energiepflanzen (Maissilage, angebaut auf 1 Mio. ha) - 3,75 Mrd. m³/Jahr 

 

Biomethan aus Zwischen- und Deckfrüchten (20 % der Ackerfläche) - 9,79 Mrd. m³/Jahr 

 

Biomethan aus Biomasse, gewonnen durch thermische Vergasung (10 % Holzrohstoff) - 0,89 Mrd. m³/Jahr 

Wo liegen die Chancen für internationale Partner? 

Deutsche Unternehmen können über Lieferketten für Anlagen und Dienstleistungen für neue und laufende Biogasanlagen profitieren. Sie können aber auch selbst in den Markt eintreten und in die eigene Biomethanproduktion investieren. Gute Chancen bestehen in folgenden Branchen: 

  • Gas-Reinigungs- und Einspeisetechnik 
  • Steuer- und Regeltechnik 
  • Kompressoren 
  • Druck-, Mess- und Regelgeräte 
  • Gärbehälter 
  • Fermenter 
  • Gasaufbereitungssysteme 
  • Gasmembranen 
  • Upgrading-Module 
  • Engineering & Projektmanagement 
  • Planung, Bau und Inbetriebnahme neuer Biomethan-Produktionsstätten 
  • Zubehör und Wartungsdienstleistungen 
  • Serviceverträge, Ersatzteile und Digitalisierung (IoT, Monitoring). 

 

Deutsche Unternehmen können in der Ukraine Joint Ventures für gemeinsame Biogasanlagen mit lokalen Partnern aufbauen und sich als Lieferanten von moderner Ausrüstung sowie als Abnehmer von Biomethan und Bio-LNG positionieren. Erste Projekte sind bereits in der Umsetzung (z.B. VITAGRO Group & Birkap Partnerschaft).  

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